Startseite

Moin und herzlich Willkommen!

Ohne Angst ver­schieden sein kön­nen.“
(T.W. Adorno)

Wir sind ein Vere­in für psy­chosoziale Dien­ste mit Sitz in Emden und unter­stützen Men­schen mit psy­chis­chen und sozialen Prob­le­men.

Der Vere­in bietet Beratung, Woh­nun­ter­stützung, ambu­lante Begleitung, ambu­lante psy­chi­a­trische Pflege, Kon­takt- und Freizeit­möglichkeit­en, Ergother­a­pie, Sozio­ther­a­pie, Fam­i­lien­hil­fe und niedrigschwellige Beschäf­ti­gung in Emden und den Land­kreisen Aurich und Leer an.


Wir empfehlen:

Positionspapier des Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. (Für Vielfalt und Toleranz)

Forderungen des Paritätischen Niedersachsen zur Landtagswahl am 15.10.2017

Jahresbericht 2016/2017 Kontakt- und Beratungsstelle

Jahresgutachten 2017 des Paritätischen Gesamtverbandes

*Bitte das Bild anklick­en um die ganze PDF zu sehen.

 

Wanderausstellung: Der Mensch ist (k)eine Ware

*Bitte ein Bild anklick­en um die ganze PDF zu sehen.

 

Herzlichen Glückwunsch, Dorothea Buck, zum 100. Geburtstag!

Aufar­beitung des Nation­al­sozial­is­mus

Dorothea Buck und ihr Ein­satz für ein humane Psy­chi­a­trie

Sie war neun­zehn, als man sie 1936 als ange­blich “erb­min­der­w­er­ti­gen” Men­schen zwangsster­il­isierte. Ein Schick­sal, das Dorothea Buck mit über 360.000 anderen Men­schen unter der Herrschaft der Nation­al­sozial­is­ten teilte. Als eine der weni­gen noch leben­den Zeitzeug­in­nen ist sie bis heute eine uner­müdliche Kämpferin für eine men­schliche Psy­chi­a­trie.

Am Mikro­fon: Michael Roehl

Die Autorin und Bild­hauerin Dorothea Buck (dpa / pic­ture alliance / Daniel Rein­hardt)

 

Stim­men von und über Dorothea Buck

Ich bin jet­zt eigentlich sehr froh, dass ich vieles erlebt habe, was ich sein­erzeit schreck­lich fand. Ich bin ja zwangsster­il­isiert wor­den in Bethel bei Biele­feld. Und das Schlimm­ste war ja, dass man da als min­der­w­er­tig abgestem­pelt war.”

Dorothea Buck hat in zweier­lei Hin­sicht sehr wichtige Impulse gegeben. Erst mal als Sprecherin der Betrof­fe­nen von dieser Art von Ster­il­i­sa­tion, dass sie denen eine Stimme gegeben hat. Und sie war auch sehr aktiv in der Grün­dung des “Bun­des der Zwangsster­il­isierten”. Und auf der anderen Seite hat sie eben hingewiesen auf die Kon­ti­nu­itäten, die es in der Psy­chi­a­trie und auch im Heim­bere­ich weit­er gibt.”

Dorothea Buck war für mich die wichtig­ste Lehrerin. Allein schon, um zu begreifen, dass Psy­chose keine Zer­störung ist, son­dern eben ein Weg ist, das Selb­st zu find­en. Vielle­icht auch ein Umweg.

Das ist ja auch ein Cre­do von Dorothea Buck, dass man eben nicht über, son­dern immer mit Betrof­fe­nen spricht. Dass wir auch ger­ade im Bere­ich der Aufar­beitung der Psy­chi­a­trie im Nation­al­sozial­is­mus, was da alles an Schreck­lichkeit­en passiert ist, dass wir da soweit es eben geht, mit Betrof­fe­nen Kon­takt haben müssen und sollen. Und da ist Dorothea Buck eine ganz wichtige Per­son für.”

Dorothea Bucks Weg in die Psy­chi­a­trie

Dorothea Buck hat viel bewirkt und viele Men­schen nach­haltig beein­druckt mit ihrem fre­undlich-offe­nen Wesen, mit ihrer mutig-kämpferischen Art. Ihre wachen blauen Augen und ihr frisch­er Geist zeich­nen sie auch als Hun­dertjährige noch aus. Zwar lebt sie inzwis­chen in einem Pflege­heim und nicht mehr in ihrem Ham­burg­er Garten­häuschen, aber beim heuti­gen Sym­po­sium ihr zu Ehren wird sie trotz­dem anwe­send sein – zugeschal­tet per Skype. “Auf der Spur des Mor­gen­sterns. Men­schen­rechte und –würde in der Psy­chi­a­trie” ist die Ver­anstal­tung über­schrieben, in der wichtige Etap­pen ihres Lebens vorgestellt wer­den — genau­so wie die nach ihren Maßstäben weit­er­en­twick­elte Psy­chi­a­trie. “Auf der Spur des Mor­gen­sterns” lautet auch der Titel von Dorothea Bucks 1990 veröf­fentlichter Auto­bi­ografie. Es ist ein bewe­gen­der Erfahrungs­bericht über “Psy­chose als Selb­stfind­ung”.

Am 9. April 1936 trieb es mich in die Dünen hin­aus. Seit eini­gen Wochen erlebte ich diese starken inneren Impulse. Ich fol­gte ihnen bedin­gungs­los, denn ich emp­fand sie als Führung nach dem Paulus-Wort: “Die, der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.” Die Nacht ver­brachte ich in ein­er Dünen­mulde. Dann ging ich dem Mor­gen­stern nach, den Johannes am Ende sein­er Offen­barun­gen mit Jesus iden­ti­fiziert hat. Ich ging zuerst am Deich ent­lang, dann ins Watt hinein. Ich lief genau auf der Leucht­spur, die der Stern ins feuchte Watt warf und erk­lärte mir den Sinn dieses Ganges als voraus­ge­wor­fenes Zeichen ein­er einzu­holen­den Entwick­lung.”

Damals war Dorothea Buck ger­ade 19 Jahre jung und ange­hende Kindergärt­ner­in. Sie lebte mit ihren Eltern und Geschwis­tern auf der ost­friesis­chen Insel Wangerooge, wo ihr Vater als Pfar­rer tätig war. Das Erleb­nis im April 1936 verän­derte ihr Leben grundle­gend. Die Ärzte diag­nos­tizierten bei ihr den Aus­bruch ein­er Schiz­o­phre­nie.

1936 bin ich nach Bethel gekom­men. Es war ja Ostern um diese Zeit. Es hieß damals: Man darf nicht mit uns sprechen. Dann bricht eine Psy­chose erst recht aus. Und dann wur­den wir nur in die Bet­ten gesteckt. Ich habe auch Monate im Bett gele­gen – ohne eine Tätigkeit. Und manche lagen jahre­lang im Bett, stellen Sie sich mal vor. Da musste man ja verblö­den.”

In den Bodelschwingh­schen Anstal­ten in Bethel bekommt sie die men­sche­nun­würdi­gen Prak­tiken der dama­li­gen Psy­chi­a­trie zu spüren: Hier gab es Sprechver­bote, Dauer­bäder und Kalt­wassergüsse, wenn die zur Untätigkeit ver­dammten Patien­ten unruhig wur­den. Wed­er die Ärzte noch die Pfar­rer sprechen mit ihnen. Doch es sollte noch schlim­mer kom­men: Dorothea Buck wird zwangsster­il­isiert. Denn Men­schen mit schw­eren kör­per­lichen Lei­den, mit geisti­gen oder psy­chis­chen Krankheit­en, sollen sich nicht ver­mehren dür­fen.

Gesetz zur Ver­hü­tung erbkranken Nach­wuch­ses”

Die rechtliche Grund­lage dafür ist das “Gesetz zur Ver­hü­tung erbkranken Nach­wuch­ses.” 1933 beschließen es die Nation­al­sozial­is­ten, am 1. Jan­u­ar 1934 tritt es in Kraft. Pro­fes­sor Volk­er Roel­cke, Direk­tor des Insti­tuts für Geschichte der Medi­zin an der Uni­ver­sität Gießen.

Dieses Gesetz ist nicht von den Nation­al­sozial­is­ten erfun­den wor­den, son­dern es gab schon viele viele Jahre vorher, nicht nur in Deutsch­land, son­dern inter­na­tion­al, Forderun­gen von Ärzten und anderen – Biolo­gen  zum Beispiel Sta­tis­tik­ern, den soge­nan­nten Eugenikern oder Rassen­hy­gien­ikern —  zum Schutz der Bevölkerung vor ein­er biol­o­gis­chen Qual­itätsver­schlechterung, solche Geset­ze zu erlassen, zur Ster­il­i­sa­tion von den­jeni­gen, die erbkrank sind. Solche Geset­ze gab es schon sowohl in den USA, als auch in Skan­di­navien als auch im Schweiz­er Kan­ton Barth.”

In all diesen Län­dern kon­nten die Betrof­fe­nen oder die rechtlichen Betreuer entschei­den, ob sie ein­er Ster­il­i­sa­tion zus­tim­men. In Deutsch­land nicht. Da wurde gesagt:

Wenn sie zus­tim­men ist es gut, wenn sie nicht zus­tim­men, kön­nen sie trotz­dem ster­il­isiert wer­den. Deshalb nen­nt man es auch ein Gesetz zur Zwangsster­il­i­sa­tion.”

Ger­ade die Anstaltspa­tien­ten wur­den völ­lig über­rascht von dem Ein­griff.  Dorothea Buck wurde nicht gefragt.

Zwangsster­il­i­sa­tion in Bethel

Ich sehe heute noch die Narkose-Schwest­er über mich gebeugt, da kriegt man diese Spritze und ich wachte dann wieder auf und hörte immer noch nicht, dass ich zwangsster­il­isiert wor­den war. Das habe ich von ein­er Mit­pa­ti­entin erfahren. Das war eine Diakonissin, die nach einem Autoun­fall schon lange da lebte und mir dann erzählte, dass ich  zwangsster­il­isiert wor­den war. Und da war ich natür­lich total, total  verzweifelt.”

Dorothea Buck ist verzweifelt, aber arbeits­fähig. Durch diese Ein­stu­fung ent­ge­ht sie der Euthanasie, der zwis­chen 1939 und 1945 ins­ge­samt 250.000 bis 300.000 psy­chisch, geistig und kör­per­lich behin­derte Men­schen zum Opfer fie­len. Sie gal­ten als “Bal­las­tex­is­ten­zen”, als “leben­sun­wertes Leben.” Sie wur­den ver­gast, vergiftet oder man ließ sie ver­hungern. Daran beteiligt waren zahlre­iche ärztliche Gutachter, darunter auch Pro­fes­soren für Psy­chi­a­trie. Einige dieser Pro­fes­soren wur­den nach 1945 sog­ar Präsi­den­ten der Deutschen Gesellschaft für Psy­chi­a­trie, Psy­chother­a­pie und Ner­ven­heilkunde, der DGPPN.

Erst 2010, als Pro­fes­sor Frank Schnei­der den Vor­sitz hat, begin­nt die Gesellschaft ihre Geschichte aufzuar­beit­en. Der Direk­tor der Klinik für Psy­chi­a­trie, Psy­chother­a­pie und Psy­cho­so­matik am Uni­ver­sität­sklinikum Aachen set­zt eine Unab­hängige Forschungskom­mis­sion ein unter Vor­sitz des Medi­z­in­his­torik­ers Pro­fes­sor Volk­er Roelke. Dabei sind auch die Erfahrun­gen der Betrof­fe­nen gefragt, auch die von Dorothea Buck, die schon 1987 den “Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangsster­il­isierten” gegrün­det hat und kurze Zeit später den “Bun­desver­band Psy­chi­a­trie Erfahren­er”.

Wis­senschaftler sprechen mit Zeitzeu­gen

Vom Wis­senschaftlichen und Akademis­chen her ist es ja wichtig, dass man auch mit Zeitzeu­gen spricht. Und da hat sich eben bei­des gut ergänzt. Wir haben uns ein paar Mal getrof­fen, jet­zt in ihrer Ein­rich­tung, wo sie ist, vorher in ihrem Garten­häuschen und haben von Anfang an einen sehr net­ten, inten­siv­en Kon­takt gehabt, haben auch öfters mal tele­foniert, uns geschrieben, so dass ich diesen Kon­takt auch nicht mis­sen möchte.”

Sagt Prof. Frank Schnei­der über Dorothea Buck. Bei ihr und den anderen Opfern und deren Ange­höri­gen hat er im Namen der Deutschen Gesellschaft für Psy­chi­a­trie, Psy­chother­a­pie und Ner­ven­heilkunde um Verzei­hung gebeten für das Leid und das Unrecht, das ihnen ange­tan wurde, aber auch für das lange Schweigen und Ver­drän­gen danach.

Die lange Zeit als min­der­w­er­tig abgestem­pelte Dorothea Buck erlebt von 1936–1959 ins­ge­samt fünf schiz­o­phrene Schübe und lernt ver­schiedene psy­chi­a­trische Ein­rich­tun­gen ken­nen. In Bethel gab es Leibgurte, sie bekommt 1937 Kardi­zol- und Insulin­schocks und 1959 verabre­icht man ihr in Ham­burg-Ochsen­zoll Neu­rolep­ti­ka. Die Patien­ten wer­den unter Medika­mente geset­zt und ein­fach still­gelegt.

Kern­punk­te ein­er huma­nen Psy­chi­a­trie

Die meis­ten sind ernüchtert, dass die Medika­mente auch nicht das große Heil bewirken, und dass sie vor allem einen großen Preis haben, sehr viele Neben­wirkun­gen haben. Das heißt ins­ge­samt ist die Psy­chi­a­trie gezwun­gen umzu­denken: Was müssen wir denn noch tun oder stattdessen tun? Wie müssen wir Men­schen begleit­en? Wie müssen wir ihnen auch helfen, sich wieder zu ori­en­tieren?”, sagt Prof. Thomas Bock, Leit­er der Spezialam­bu­lanz für Psy­cho­sen und Bipo­lare Störung am Uni­ver­sität­sklinikum Ham­burg Eppen­dorf. Er ken­nt Dorothea Buck schon lange. Von ihr, sagt der Psy­chologe, habe er viel gel­ernt: Die Kern­punk­te ein­er huma­nen Psy­chi­a­trie.

Erstens, dass man nicht über die Patien­ten und auch nicht über Ange­hörige redet, son­dern mit ihnen. Und dass Psy­cho­sen nicht eine Erkrankung ist, son­dern jed­er Men­sch eine ganz unter­schiedliche Form hat. Dann, dass jed­er Men­sch psy­cho­tisch wer­den kann. Das ist in uns Men­schen angelegt, diese Möglichkeit aus uns her­aus zu treten und uns zu ver­lieren, zu zweifeln und zu verzweifeln. Das gehört zum Wesen des Men­schen. Und die einen machen Gebrauch davon und die anderen nicht.”

Das sieht auch Dorothea Buck so. Wichtig sei es, Schiz­o­phre­nie nicht als etwas Krankes, son­dern als Teil der Per­sön­lichkeit zu erken­nen.

Und das ist eben das Wichtig­ste, dass man die Patien­ten fragt: Was ist voraus­ge­gan­gen? Damit man die Sinnzusam­men­hänge zwis­chen Psy­chose-Inhal­ten und voraus­ge­gan­genen Leben­skrisen erken­nt. Und das muss erforscht wer­den. Denn ohne eine seel­is­che Krise kommt bes­timmt keine Schiz­o­phre­nie. Und dann bricht das Unbe­wusste, nor­maler­weise Unbe­wusste, das wir ja aus unseren Nacht­träu­men ken­nen mit ihren sym­bol­is­chen Werten auf, ins Bewusst­sein und es ist eine ganz andere Art des Denkens. Sie ken­nen es ja von den Kün­stlern. Viele Kün­stler sagen ja: Wir haben das erlebt, dass es uns plöt­zlich über­fiel.”

Einge­bun­gen, Stim­men kön­nen so aus dem Unbe­wusst­sein her­vortreten, nicht immer sind sie Zeichen ein­er Psy­chose und sie kön­nen auch kreativ genutzt wer­den. Dorothea Buck hat ihre Psy­cho­sen über­wun­den. Sie ist eine begeis­terte Bild­hauerin gewor­den und hat als Kun­st­päd­a­gogin gear­beit­et — auch das hat ihr geholfen, ihre psy­chis­chen Prozesse zu ver­ar­beit­en.

Dorothea Bucks Idee des Tri­alogs:

Mit Thomas Bock entwick­elte sie 1989 die ersten Psy­chose-Sem­i­nare, in denen sich psy­chisch Kranke, deren Ange­hörige und die in der Psy­chi­a­trie Täti­gen auf Augen­höhe aus­tauschen Über 100 solch­er Sem­i­nare sind nach dieser Idee des “Tri­alogs” ent­standen. Kliniken in Deutsch­land und der Schweiz arbeit­en nach diesem Prinzip, ein Wohn­heim für psy­chisch kranke Men­schen in Bot­trop hat sich 1996 nach ihr benan­nt.

Das Ver­di­enst von Dorothea und von der Tri­a­log-Bewe­gung war: Es geht nicht nur um organ­isatorische Verän­derun­gen, son­dern es geht um Verän­derung im Ver­ste­hen des Ganzen und in der Beziehungs-Kul­tur. Und einen ganz wichti­gen Fortschritt sehe ich darin, dass wir mehr und mehr – und das begin­nt ja mehr und mehr in Deutsch­land erst – auch Peer-Arbeit inte­gri­eren. Also Men­schen, die sel­ber Krisen-Erfahrun­gen haben, dann eine Schu­lung machen und dann mit ihren Erfahrun­gen und ihren Stärken auch Brück­en bauen und Leute erre­ichen, die wir vielle­icht nicht mehr erre­ichen, dass sie auch Patien­ten mehr Mut machen, auch sich zu ver­trauen. Also das wis­sen wir aus Stu­di­en, dass die Peer-Arbeit, also die Leute, die Gene­sungs-Begleit­er mit eigen­er Erfahrung, die Selb­st-Wirk­samkeit stärken. Also Patien­ten, die mit denen zu tun haben, die trauen sich mehr zu und ver­lassen sich nicht nur auf fremde Hil­fe. Und das ist fast der entschei­dende Fortschritt in der Gene­sung.”

Und auch die Gene­sungs- beziehungsweise Peer­be­gleit­er gewin­nen durch ihre Arbeit an Selb­stver­trauen, beobachtet Thomas Bock.

Und jet­zt in diesem Jahr gibt es ja ein Gesetz der Bun­desregierung, dass alle Kliniken sta­tion­ser­set­zende Akut­be­hand­lung anbi­eten müssen. Also Hil­fen zu Hause, dass mobile Teams nach Hause fahren. Und ich würde gerne ergänzen mit Peer-Begleit­ern. Denn ger­ade wenn man nach Hause fährt, muss man ein anderes Ver­ständ­nis haben, muss man eine andere Beziehungskul­tur mit­brin­gen, muss man den Tri­a­log mit­brin­gen. Also nicht ein­fach nur das alte Wis­sen und die alte Kul­tur von den Akut-Sta­tio­nen, son­dern was Anderes kann da entste­hen und muss da entste­hen.”

Ziel: Weniger Zwangs­maß­nah­men in der Psy­chi­a­trie

Dorothea Buck und Thomas Bock sehen noch weit­eren Hand­lungs­be­darf:

Die rechtliche Posi­tion der Betrof­fe­nen muss gestärkt wer­den und die Zwangs­maß­nah­men, die in Deutsch­land unge­heuer hoch sind in der Zahl, die müssen deut­lich run­terge­fahren wer­den und dafür brauchen wir andere Struk­turen, die die Men­schen anders begleit­en. Aber wo die Betrof­fe­nen auch mehr Recht haben, auch etwas abzulehnen, was ihnen nicht hil­ft. Und die indi­vidu­ellen Wege aufzuzeigen. Da gebe ich Dorothea sehr Recht. Also immer­hin hat die Bun­desregierung eine große Forschung in Gang geset­zt, da ist das UKE auch beteiligt, um zu unter­suchen, was erk­lärt den großen Unter­schied, was die Zwangs­maß­nah­men ange­ht. Das ist ein Unter­schied von min­destens 1: 10 zwis­chen den Län­dern und den Kliniken, gibt’s im Ver­hält­nis 1:10 unter­schiedlich häu­fig Zwangs­maß­nah­men. Und wir ver­suchen her­auszufind­en, woran das liegt. Und ein großer Schritt wäre – und da gebe ich Dorothea Buck wieder Recht – wenn wir trans­par­ent machen, wie oft Zwangs­maß­nah­men in ein­er Klinik passieren. Wenn allein das trans­par­ent gemacht wer­den muss, wird es weniger. Und dann wird es auch Patien­ten geben, die sagen: “Da gehe ich da nicht hin.”

In Dorothea Bucks Zim­mer im Pflege­heim wird leb­haft disku­tiert. Zwis­chen Anspruch und Wirk­lichkeit in der Behand­lung psy­chisch Kranker klafft offen­sichtlich immer noch eine Lücke. Aber Pro­fes­sor Thomas Bock sieht auch, dass sich etwas bewegt in der Psy­chi­a­trie

Da gibt es jet­zt die UN-Behin­derten-Recht­skon­ven­tion. Die stärkt die Posi­tion der Betrof­fe­nen und das gilt es jet­zt in die Kul­tur der Behand­lung umzuset­zen. Da ist unsere Her­aus­forderung: Also bei­des zusam­men – die UN-Kon­ven­tion und der Tri­a­log – das sind schon mächtige Motoren um die Psy­chi­a­trie zu verän­dern.”

Was nützt die ganze Unter­schrift von der deutschen Poli­tik unter diese UN-Behin­derten­rechts-Kon­ven­tion, wenn sich die Psy­chi­ater nicht daran hal­ten?”

Dorothea Bucks Ausze­ich­nun­gen für eine humanere Psy­chi­a­trie

Auch mit 100 Jahren ist Dorothea Buck noch kämpferisch, engagiert sich und weist auf Missstände in der Psy­chi­a­trie hin. 2008 hat sie das Bun­desver­di­en­stkreuz für ihr Lebenswerk im Kampf um eine bessere Psy­chi­a­trie bekom­men, vor weni­gen Wochen ist sie in Ham­burg geehrt wor­den mit der Sil­ber­medaille für “Treue Arbeit im Dien­ste des Volkes”. Dorothea Bucks Ein­satz für eine men­schlichere Psy­chi­a­trie ist immer auch verknüpft mit dem Wach­hal­ten der Ver­gan­gen­heit, ihrem Engage­ment für die Opfer der “Euthanasie” und Zwangsster­il­i­sa­tion im Nation­al­sozial­is­mus”. Denn, so Dorothea Buck:

Wenn ich nicht  zwangsster­il­isiert wor­den wäre, dann hätte mich das alles ja gar nicht inter­essiert. Und dann hätte ich geheiratet, dann hätte ich Kinder gehabt, dann hätte ich diesen Musik­er geheiratet. Und wäre Kindergärt­ner­in gewor­den. Und wenn ich das ver­gle­iche — da muss ich sagen: Das befriedigt mich zutief­st, dass ich da etwas bewe­gen kon­nte.”

 

Quelle: Deutsch­land­funk, 07.04.2017

 

Armutsbericht 2017 des Paritätischen ”Menschenwürde ist Menschenrecht”

Rechtsextremismus in der Sozialen Arbeit keinen Raum bieten

Eine Broschüre vom “Deutsch­er Par­itätis­ch­er Wohlfahrtsver­band Gesamtver­band e.V”

2016_rechtsextremismus-in-der-sozialen-arbeit-keinen-raum-bieten_paritaet

Wichtiges Statement von Prof. Rosenbrock (Paritätischer) zu Rassismus

Der Vor­sitzende des Par­itätis­chen Gesamtver­ban­des, Prof. Ralf Rosen­brock, in seinem Videoblock aktuell zu Recht­sex­trem­is­mus und Ras­sis­mus. Ein starkes State­ment gegen Ras­sis­mus, gegen soziale Aus­gren­zung und für Vielfalt: “Wer Ras­sist ist oder wer aus­gren­zen will oder wer anti­demokratis­che Ten­den­zen befördern will, der ist bei uns falsch, als Mit­glied­sor­gan­i­sa­tion, als Mitar­beit­er als Ehre­namtler. Das ist eine andere Welt und wir wollen das nicht”. Hier der ganze Beitrag:

Armutsbericht 2016: Zeit zu handeln

Armutsbericht 2016: Zeit zu handeln.

Der Armuts­bericht 2016 des Par­itätis­chen ist deut­lich anders gestal­tet und umfan­gre­ich­er als seine Vorgänger der let­zten Jahre. Dies hat gute Gründe: Wenn man sich, wie der Par­itätis­che, seit nun­mehr 27 Jahren inten­siv mit Fra­gen der Armutsforschung und der Armuts­berichter­stat­tung beschäftigt, erscheint einem manch­es irgend­wann als selb­stver­ständlich und all­ge­mein bekan­nt, was es jedoch nicht ist. Und so wur­den die Armuts­berichte des Par­itätis­chen in den let­zten Jahren immer kürz­er, gle­ichzeit­ig jedoch auch immer voraus­set­zungsvoller und mehr und mehr nur noch für ein Fach­pub­likum mit entsprechen­der Exper­tise geschrieben, das die Aus­sagen des Par­itätis­chen sachgerecht zu inter­pretieren und einzuord­nen wusste. Voraus­ge­set­zt wur­den etwa Ken­nt­nisse zur wis­senschaftlichen Diskus­sion um Armuts­be­griffe und Meth­o­d­en der Armutsforschung und vor allem zum Konzept der rel­a­tiv­en Einkom­men­sar­mut, mit dem der Par­itätis­che arbeit­et.….……

► Der Armuts­bericht 2016 zum Down­load (PDF): Hier klick­en!

Ich hatte einen schwarzen Hund (dt. Übersetzung von Freunde fürs Leben)

[tog­gled-con­tent title=“Neue Broschüre beim Dachver­band Gemein­depsy­chi­a­trie erschienen: „Meine Rechte aus der UN-Behin­derten­recht­skon­ven­tion“” width=”” status=“closed”]

Die Broschüre “Meine Rechte aus der UN-Behin­derten­recht­skon­ven­tion” ist kür­zlich beim Dachver­band Gemein­depsy­chi­a­trie erschienen und ab sofort zur Bestel­lung und zum Down­load ver­füg­bar. Sie richtet sich an Men­schen mit psy­chis­chen Erkrankun­gen und zeigt auf, welche Bedeu­tung die UN-BRK für Betrof­fene hat. Sie kann hier herunter geladen wer­den: KLICK!

Broschüre „Psychische Erkrankung am Arbeitsplatz – Eine Handlungsleitlinie für Führungskräfte” unseres Dachverbandes Gemeindepsychiatrie und der Barmer GEK

Broschuere_PsychErkrank_Arbeitsplatz_thumbPsy­chis­che Erkrankun­gen nehmen in Deutsch­land kon­tinuier­lich zu. Stu­di­en zeigen ins­beson­dere, dass die Fehlzeit­en von Beschäftigten mit ein­er Diag­nose aus dem Bere­ich der psy­chis­chen Erkrankun­gen weit­er ansteigen. Im Durch­schnitt dauert ein Arbeit­sun­fähigkeits­fall im Ver­gle­ich zu anderen Erkrankun­gen deut­lich länger. Daher ist die Aufk­lärung über psy­chis­che Erkrankun­gen für alle Beteiligten im Unternehmen eine wichtige Voraus­set­zung, um die Anforderun­gen im Arbeit­sall­t­ag bess­er bewälti­gen zu kön­nen. Hierzu zählen beispiel­sweise Ter­min- und Leis­tungs­druck, Arbeitsverdich­tung, hohes Arbeit­stem­po, Über­forderung oder man­gel­nde Kom­mu­nika­tion.
Führungskräfte und Per­son­alver­ant­wortliche nehmen eine Schlüs­sel­funk­tion bei der Förderung und Erhal­tung der Gesund­heit Ihrer Mitar­beit­er ein – beson­ders im Umgang mit ver­hal­tensauf­fäl­li­gen und psy­chisch erkrank­ten Beschäftigten.
Sie erhal­ten mit dieser Hand­lungsleitlin­ie:• Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zur psy­chis­chen Gesund­heit,
• präven­tive Ansatzpunk­te für Ihren Führungsall­t­ag,
• Check­lis­ten zur Gesprächsvor­bere­itung,
• Anre­gun­gen und Tipps für Mitar­beit­erge­spräche,
• Überblick der häu­fig­sten Krankheits­bilder am Arbeit­splatz,
• Infor­ma­tio­nen zu Hil­f­sange­boten, die Sie vor Ort unter­stützen kön­nen.
Ziel dieser Broschüre ist es, Berührungsäng­ste im Umgang mit psy­chis­chen Erkrankun­gen am Arbeit­splatz von allen Beteiligten abzubauen und in Unternehmen das The­ma weit­er zu entstigmatisieren.Sie kön­nen die Broschüre hier herunter laden (PDF): KLICK!

Erklärfilm „Inklusion” (Video mit Gebärdensprache)

WP-Backgrounds by InoPlugs Web Design and Juwelier Schönmann